„Für die nächsten Jahre habe ich noch viel vor“

Interview mit Bürgermeister Malte Dahlhoff: „Eine Aufgabe mit viel Herzblut“

Malte Dahlhoff (CDU) ist seit 2014 unser Bürgermeister. Im Gespräch mit Reinhold Häken schaut er zurück und gibt einen Ausblick.

Malte, Du bist seit 2014 Bürgermeister unserer Gemeinde. Das ist kein normaler Job. Mal Hand aufs Herz: Hast Du diese Entscheidung jemals bereut?

 

Das ist eine ungewöhnliche Frage direkt zu Beginn und die direkte Antwort auf die Frage ist: Ich habe es nicht bereut, sondern würde mich jederzeit erneut so entscheiden. In der Tat ist Bürgermeister kein normaler Job; das ist eine Aufgabe, die viel Herzblut erfordert und natürlich auch viel Zeit. Kein Tag ist wie der andere und Langeweile kenne ich nicht. Da ich vor meiner Zeit als Bürgermeister schon Führungsaufgaben in einer Verwaltung ausgeübt habe, auch schon einige Zeit kommunalpolitische Erfahrungen sammeln konnte, hatte ich ein gutes Rüstzeug für die Aufgabe als Bürgermeister. Der Kontakt zu den Menschen, den Betrieben und Vereinen in unserer Gemeinde, das macht mir richtig Freude.

 

Apropos Zeit: Wie viel arbeitest Du so als Bürgermeister oder anders gefragt, wann hattest Du zuletzt mal ein freies Wochenende?

 

An das letzte komplett freie Wochenende kann ich mich nicht erinnern, irgendein Termin ist immer. Bürgermeister ist man eigentlich 24 Stunden an 7 Tagen pro Woche. Neben den Aufgaben im Rathaus kommen viele repräsentative Termine wie Jubiläen und andere Veranstaltungen sowie zahlreiche Sitzungen der politischen Gremien dazu. Nach dem Tag im Rathaus beginnt quasi dann am Abend und an den Wochenenden der zweite Teil der Aufgaben, also dann, wenn die vielen ehrenamtlich Engagierten in unserer Gemeinde Feierabend und Zeit haben. Und auch sonst komme ich häufig in unterschiedlichsten Situationen mit Bürgerinnen und Bürgern ins Gespräch. Beim Schützenfest, beim Einkaufen oder beim Bummel durch unsere Fußgängerzone, da kann man kaum zwischen Dienst und Freizeit unterscheiden.

 

In den letzten Jahren wurden viele Projekte umgesetzt, was ja auch viel Zeit erfordert. Auf welches Projekt können wir besonders stolz sein?

 

Da kann ich ein Einzelnes kaum herauspicken, denn in den letzten Jahren haben wir gemeinsam viel bewegt. Dafür bin ich dem tollen Team im Rathaus, aber auch der Politik für die gute Zusammenarbeit und das Engagement sehr dankbar. Sichtbarste Zeichen sind sicherlich der Kurpark, die Therme und die modernisierten Kliniken. Dort sind die meisten Arbeitsplätze, dort wurde das meiste Kapital investiert und es hat sich rentiert, denn die Übernachtungszahlen haben sich nicht nur in den Kliniken überaus positiv entwickelt. Das haben wir mit den Baumaßnahmen am Jahnplatz, Bismarckstraße und Sälzerplatz konsequent fortgesetzt und bekommen dafür viel Zuspruch besonders von unseren Gästen und Betrieben in der Fußgängerzone. Aber auch auf den Dörfern ist viel passiert. Die Bürger- bzw. Vereinshäuser in Bettinghausen, Ostinghausen, Neuengeseke und Herringsen wurden bzw. werden gerade umfassend modernisiert und die Feuerwehrgerätehäuser in Weslarn, Heppen und Bettinghausen sowie der Standort Mitte wurden auf Vordermann gebracht. Und auch unsere Schulen stehen sehr gut da, schaffen gute Lernbedingungen für die Jüngsten unserer Gemeinde und können sich sehen lassen.

 

Wir hören immer wieder, dass dafür viel Geld u.a. über Kredite aufgenommen wurde. Kann die Gemeinde sich das leisten?

 

Klare Antwort: Sie kann. Sehr regelmäßig wird über unsere Schulden gesprochen, aber ich kann Entwarnung geben. Sicherlich haben wir viel Geld aufgenommen, aber wir haben uns dafür langfristige Finanzierungskonditionen zu günstigen Zeiten gesichert. Stand Ende 2023 kann ich sagen, dass wir mit mehr als der Hälfte unseres Fremdkapitals Geld verdienen und einen klaren Tilgungsplan haben. Wie ein guter Kaufmann haben wir z.B. klug in unsere Therme und die Gemeindewerke investiert und bekommen das Investment mit Zins und Tilgung zurück. Und beim Rest gibt es entweder ebenfalls einen vernünftigen Kapitalrückfluss oder wir haben vielfach Fördermittel von Bund, Land und EU eingeworben; in der Summe bewegt es sich in einem ganz normalen Rahmen. Ich habe daher bei unserer Finanzierungssituation ein ruhiges Gefühl.

 

Viel wurde erreicht. Du bewirbst dich nun für die dritte Amtszeit als Bürgermeister. Wird man nicht irgendwann amtsmüde oder hast Du Dir etwas Besonderes vorgenommen?

 

Amtsmüde bin ich sicher nicht. Ich bin in zahlreichen Verbänden aktiv, was zwar ebenfalls viel Zeit bindet, mir aber ebenfalls viel Freude macht. Durch die in letzten Jahren so aufgebauten Netzwerke kann ich nah an vielen Entscheidungsträgern auf höheren Ebenen sein und kann unsere Interessen dort gut platzieren.

Und für die nächsten Jahre habe ich noch viel vor. Wir werden die begonnenen Baumaßnahmen im Zentralort und den Dörfern abschließen und neue Maßnahmen beginnen. Dazu gehört z.B., dass das Bahnhofsumfeld modern umgestaltet wird und die Sporthalle an der Grundschule neuesten Anforderungen des Sports entsprechen wird. Projekte von Dritten im Bereich Gewerbe oder Wohnen müssen von hier vernünftig begleitet werden. Dazu zähle ich unser Gewebegebiet Lohner Klei oder auch die Nachnutzung des Areals von Haus Hellweg. Hier wird von Privatleuten und Firmen viel Geld in unserer Gemeinde investiert, was heutzutage nicht selbstverständlich ist. Damit lassen sich die wirtschaftliche Entwicklung und vor allem die Arbeitsplätze in unserer Gemeinde sichern.

 

Wie sieht es mit dem wichtigen Grundbedürfnis „Wohnen“, wie mit moderner Technik aus?

 

Wohnen ist dazu ebenfalls ein fast tägliches Thema. Die Nachfrage ist da und wir brauchen zusätzliche Wohnangebote für unterschiedliche Lebenslagen und Geldbeutel, im Zentralort und den Dörfern. Auch da hat sich viel getan, muss und wird sich noch viel tun. Gleichzeitig haben wir die Folgen für Natur und Klima dabei im Blick und können Angebote entwickeln, die den unterschiedlichen Interessen sehr gut gerecht werden. Damit schaffen wir vernünftige und sichere Perspektiven für das Wohnen in unserer Gemeinde. Zu dem Thema zähle ich auch die Wärmeplanung, die wir frühzeitig angestoßen haben. Gemeinsam mit unseren Gemeindewerken wollen wir künftig Energie und Wärme zu vernünftigen Preisen und möglichst aus natürlichen Ressourcen wie Wind, Sonne und Biomasse anbieten und damit dafür sorgen, dass die Nebenkosten nicht explodieren, Wohnen bezahlbar bleibt und der Wert von Wohneigentum stabil bleibt. Dazu kommt, dass wir jedem Haushalt in der Gemeinde ein Angebot für einen kostenlosen Glasfaseranschluss machen konnten bzw. können. In den nächsten Monaten wird der Glasfaserausbau in unserer Gemeinde flächendeckend erfolgt sein. Auch das trägt zu Lebensqualität und Zukunftsfähigkeit des Wohnen und Arbeiten in unserer Gemeinde an allen Ecken und „Milchkannen“ bei.

 

Wenn bei all den Aufgaben und Projekten noch Zeit bleibt, was macht ein Bürgermeister in seiner Freizeit?

 

Das macht jede bzw. jeder anders. Ich verbringe dann gerne Zeit mit der Familie, auch wenn die Töchter inzwischen schon groß sind und häufig eigene Wege gehen. Im Garten fühle ich mich wohl, ebenso auf dem Fahrrad oder gerne auch bei einer Joggingrunde in der schönen Natur unserer Gemeinde.